Das Ende einer TV-Ära: Thomas Gottschalk sagt Servus
Cic./DRS 3 («Nachfolge Gottschalk: Sie haben noch nicht abgesagt».)
Wer mit den Anfängen des Farbfernsehens aufgewachsen ist, kannn sich an TV-Gassenfeger erinnern, nach deren Übertragung jederman über das Gesehene mitreden konnte - und wollte.
Doch seit den 90er- Jahren bietet sich der Multi-Optionsgesellschaft gleich hunderte Sendungen auf ebensovielen Sendern und nur ganz selten ist seither eine TV-Show ein «must watch».
Dem jungen Thomas Gottschalk aus dem bayrischen Bamberg aber gelang es, dass während mehr als 20 Jahren über «Wetten, dass..?» geredet und geschrieben wurde. Die Sonntagspresse berichtete über seine Wetten, seine Gäste, seine Anzüge und Frisuren. Gottschalk war Unterhaltung - und zwar für alle.
Seit 1987 «seine» Sendung
Am 26. September 1987 übernahm Gottschalk von Show-Erfinder Frank Elstner die Sendung. Mit Ausnahme einer kurzen Unterbrechung vom 26. September 1992 bis zum 27. November 1993, als Wolfgang Lippert durch die Sendung führte, moderiert er die Sendung bis heute.
Gottschalk, der in Kinderjahren als Ministrant amtete, fühlte sich auf dem grossen ausgeleuchteten Parkett vor Millionenaugen pudelwohl und verwandelte die dröge Studioatmosphäre für seine Gäste und das TV-Publikum zum heimeligen Wohnzimmer.
Grosse Gesten, Weltstars und Überlängen
Die Rolle des Gastgebers wusste er perfekt zu spielen, brillierte durch seine scharfsinnige Rhetorik und holte die Welt-Stars reihenweise auf sein Sofa. Doch sein Redeanteil war stets grösser, als der seiner Gäste und die Länge seiner Sendung brachte die Planung anschliessender TV-Sendungen aus den Fugen.
Thomas Gottschalk nahm sich den Raum, hatte dadurch auch seine Kritiker, doch die Einschaltquoten waren während 20 Jahren auf seiner Seite. Harald Schmidt sagte über ihn: «Thomas Gottschalk hat das Frechsein im Fernsehen erfunden.»

Diese Frechheit kam nicht überall gut an, Gottschalk war begleitet von scharfen Kritikern, insbesondere aus der schreibenen Zunft. Diese bekamen zunehmend Aufwind, als die Sendung in den letzten paar Jahren Staub ansetzte, das Konzept ältlich wurde. Die Quoten sanken, die Gäste wiederholten sich zusehends, die Wettideen wurden fad, Gottschalk und «Wetten dass..?» schienen ihren Zenit überschritten zu haben.
Als das Ende kam...
Der schwere Unfall des Wettkandidaten Samuel Koch im Dezember 2010 veranlasste den Star-Moderator dazu, sein eigenes Ablaufdatum festzusetzen und damit seinen Abschied von der Sendung zu geben.
Ob er damit auch einem Erfolgsformat den Todesstoss gibt? Ungewiss. Eines aber darf jetzt schon gesagt sein; Das Charisma, die Wortgewandtheit und die Ausstrahlung eines Thomas Gottschalk wird dem Fernsehen des Deutschen Sprachraums fehlen.
Martin Oswald






