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Letztes Update: Dienstag, 13.7.2010

Kontroverse: Wer profitierte von Live Aid tatsächlich?

Das Projekt der Superlative löste bereits 1985 - vor allem in England - Kontroversen aus.  Nun 25 Jahre später ist nicht mehr sicher, ob ein Grossteil der Spendensumme von rund 188 Millionen Franken auch dort angekommen ist, wo es dringend gebraucht worden ist.

Der «heilige» Bob Geldof war um 1985 bereits eine umstrittene Figur. (key)

Die Musikpresse mokierte sich bereits 1985 darüber, dass Initiant Bob Geldof mit Ausnahme von Sade, die sich selber nicht als Schwarze versteht, keine schwarzen Musiker für das Benefizkonzert zugunsten Afrikas engagierte.

Der «heilige» Bob Geldof war damals eine umstrittene Figur. TV-Interviews mit ihm waren regelmässig mit Piepstönen durchsetzt, die Geldorfs Fluchwörter eliminierten. Am Live Aid gesagte Sätze wie «Gebt uns jetzt euer beschissenes Geld» waren typisch für den Musiker. Ihm wurde von Anfang an vorgeworfen, Live Aid sei bloss ein Publicity-Gag - mit dem fetten Prestigegewinn im Auge - für seine eigene Karriere.

Spendengelder für den Kauf von Waffen
25 Jahre später werden die Vorwürfe gegen Live Aid und die Initianten nun richtig hart. Im März 2010 behauptete BBC-Journalist Martin Plaut unter Berufung auf Rebellenführer der damaligen Befreiungsfront von Tigray (TPLF) in Äthiopien, dass rund 95 Millionen Dollar Spendengelder an diese weitergegeben worden seien. Dieses Geld soll für Waffen und den Aufbau eines marxistischen Flügels der Partei verwendet worden sein.

Ebenso wird Live Aid vorgeworfen, Gelder seien auch unfreiwillig dem diktatorischen Regime von Staatschef Mengistu zugute gekommen. Sie dienten zu einem grossen Teil dazu, dessen Umsiedlungsprogramm rascher voranzutreiben. Diese Umsiedlung forderte über 150 000 Menschenleben.

«Vorwürfe sind kompletter Unsinn»
Bob Geldof bestritt in einem Interview mit der BBC die Vorwürfe scharf. Geldof sagte: «Wenn tatsächlich so viel Geld abgezweigt worden wäre, wären damals mehr als eine Million Menschen gestorben. Schon möglich, dass in einem der längstem Konflikte Afrikas damals auch Gelder anders verwendet wurden. Aber in dieser Grössenordnung - kompletter Unsinn.»

Ein Mega-Event wie Live Aid bleibt immer eine zweischneidige Angelegenheit. Einerseits gewinnt dank den Stars ein Problem an grosser Aufmerksamkeit. Anderseits wird ein Problem nach einem solchen Event in den Köpfen wieder ad acta gelegt.

Tatsache ist, dass Äthiopien nach wie vor eines der ärmsten Länder Afrikas ist. (che)

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