(Keystone)
Blutiges Ende der Demokratiebewegung
In der Nacht zum 4. Juni 1989 rollten Panzer der chinesischen Armee auf den Platz des Himmlischen Friedens, auf dem sich seit dem 17. April eine Demokratiebewegung entwickelt hatte, und setzten dem Aufruhr ein blutiges Ende. In China selbst werden diese Ereignisse bis heute totgeschwiegen.
Aus Trauer wird Protest
Am 15. April versammelten sich die Menschen zunächst zu öffentlichen Trauerkundgebungen nach dem Tod eines reformorientierten Mitglieds der Kommunistischen Partei, Hu Yaobang. Hu hatte einen liberalen Kurs eingeschlagen und sich für politische Reformen ausgesprochen.
Die Trauerkundgebungen entwickelten sich rasch zu Protestkundgebungen. Der Tote Hu wurde von der Bewegung posthum zu einem Symbol der politischen Liberalisierung erklärt. In der Folge wurde auch der Ruf nach Demokratie und Menschenrechten laut.
Peking im Fokus der Welt
Obwohl es im ganzen Land zu Protesten kam, konzentrierte sich die Weltöffentlichkeit vor allem auf Peking. Die Anwesenheit internationaler Pressevertreter, die eigentlich über den Staatsbesuch von Michail Gorbatschow am 15. Mai berichten sollten, hatte die chinesische Demokratiebewegung und ihre Forderungen weltweit bekannt gemacht. Denn plötzlich stand das Gipfeltreffen im Schatten der Studentenproteste.
Hungerstreik und Besetzung des Platzes
Am 13. Mai begannen mehrere Hundert Demonstranten auf dem Tiananmen-Platz einen Hungerstreik. Die Regierung verängte kurz darau den Ausnahmezustand für die Hauptstadt. Am 20. April schliesslich wurde der Platz des Himmlischen Friedens besetzt. Rund einen Monat später brachen Unruhen aus.
Der beliebte Parteichef Zhao Ziyang suchte das Gespräch mit den Wortführern, um sie zum Ende des Hungerstreiks zu bewegen. Dies stiess jedoch auf Widerstand innerhalb des Parteibüros. Teile der Parteispitze wollte ein Exempel statuieren, sie sahen die Studenten als konterrevolutionäre Bewegung an. Die konservativen Kräfte setzten sich schliesslich durch.
Mit Panzern gegen Studenten
Am Abend des 3. Juni rückten Soldaten mit Schützenpanzern aus mehreren Richtungen auf die Pekinger Innenstadt vor, schossen mit scharfer Munition in die Menge und schlugen so die Demokratiebewegung blutig nieder.
Der Befehl zu dem Vorgehen kam von der Zentralen Militärkommission der Kommunistischen Partei (KP) Chinas unter Deng Xiaoping aus. Am 5.6.1989 wurde eine Erklärung des Zentralkomitee der KP Chinas und des Staatsrates der Volksrepublik China verbreitet, in der es heisst, ein «schreckenerregender konterrevolutionärer Aufruhr» müsse niedergeschlagen werden.
Tausende Opfer
Die Schätzungen über die Opfer gehen weit auseinander: Offiziell ist von knapp 300 getöteten Soldaten und Zivilpersonen die Rede. Dem brutalen Vorgehen der Sicherheitskräfte fallen nach Schätzungen von Beobachtern in ganz Peking mindestens 1'400 Menschen zum Opfer, das Rote Kreuz nennt die Zahl von 2'600 Opfern. Rund 1'400 Personen wurden festgenommen. Nicht nur in Peking, auch in anderen Städten wurden die Proteste brutal niedergewalzt.
Am 21.6.1989 wurde mit der Vollstreckung von Todesurteilen gegen «Aufrührer» begonnen. Einigen Führern der Studentenbewegung gelang die Flucht ins Ausland.
Keine Aufarbeitung des Massakers
20 Jahre ist das Massaker auf dem Platz im Herzen von Peking her, doch eine Aufklärung der damaligen Ereignisse ist immer noch nicht in Sicht. 30 Demonstranten befinden sich noch immer im Gefängnis.
Die kommunistische Regierung ist bemüht, keine Erinnerungen an die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung aufkommen zu lassen. Für die Staatsmacht bleiben die Proteste ein «konterrevolutionärer Aufruhr». Der damals von der Parteiführung um Deng Xiaoping angeordnete Militäreinsatz sei zur «Stabilisierung» unverzichtbar gewesen. Diese Geschehnisse werden totgeschwiegen.
Angehörige der Opfer und Exponenten der Demokratiebewegung werden überwacht und stehen faktisch unter Hausarrest. Die vor zehn Jahren erstmals in Erscheinung getretene Gruppe der «Tiananmen-Mütter» hat vor dem 20. Jahrestag erneut eine Untersuchung und eine Neubewertung des Blutbads verlangt. (acd, ap/sda)
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